Artikelserie: History Marketing (III)

Grundlagen schaffen: Fundierte Recherche der Firmengeschichte


Soll die eigene Unternehmensgeschichte nachhaltig für das Marketing genutzt werden, sollte man sich besser auf wirklich verlässliche Daten stützen können. Vorzeitig angekündigte bzw. gefeierte Firmenjubiläen oder die Verwechslung von Gründervätern oder anderer relevanter Daten aus der Firmenhistorie sind im besten Fall nur kurzzeitig peinlich. Im schlechten Fall erhärten sie den Eindruck mangelnder Kompetenz (“wer sich schon in seinen eigenen Belangen nicht auskennt…”) oder sie erwecken den Verdacht der gewollten Vertuschung und Manipulation der Öffentlichkeit – beispielsweise, wenn kritische Unternehmensaspekte infolge fehlendem Verständnisses verharmlost oder gar nicht thematisiert werden. Zudem sind solche Irrtümer oft mit unnötigen Kosten verbunden, z.B. für den Neudruck von Unternehmensbroschüren…

Daher ist es aus meiner Sicht ratsam, vor dem Start von History-Marketing-Maßnahmen für eine verlässliche Datenbasis zu sorgen. Dafür sollten zumindest die großen Linien der Unternehmensgeschichte bzw. die wichtigsten Eckpunkte einzelner Produkt- oder Standortentwicklungen nachweisbar dokumentiert sein. Ein wesentlicher Schritt hierzu ist die Auswertung des eigenen Firmenarchivs (soweit vorhanden). Allerdings sollte man sich nicht nur darauf verlassen, sondern auch historische Überlieferungen über das eigene Unternehmen in externen Archiven berücksichtigen (Außensicht!). So gewinnt man oftmals wichtige Erkenntnisse über den historischen Kontext, in dem frühere Unternehmensentscheidungen getroffen wurden.

Welche Daten sind als Grundlage wichtig?

Hierzu zählen insbesondere “harte Fakten” wie…

  • Gründungs- und Fusionsdaten (Wer fusionierte wann mit wem aus welchem Grund?)
  • Daten zur Entwicklung einzelner Produkte und Dienstleistungen
  • Entwicklung ausgewählter Bilanzkennzahlen (Umsatz, Gewinn, Mitarbeiter, Kunden, …)
  • Informationen zu Firmengründern / wichtigen Personen des Unternehmens
  • eventuell Angaben zu Traditionsvorgängern (indirekten Vorläufern)
  • …und das in der Regel nicht nur für das Stammunternehmen bzw. den Firmenstammsitz, sondern auch für übernommene Firmen und einzelne Standorte.

Informationsquellen prüfen und dokumentieren

Definitiv nicht ausreichend ist es hingegen, sich nur auf einzelne Sekundärquellen oder die Erzählungen langjähriger/ehemaliger Mitarbeiter zu verlassen oder Daten aus Chroniken von früheren Jubiläen unkritisch zu übernehmen. Wie ein guter Journalist sollte man sich hier unter anderem fragen, auf welcher Quellenbasis solche Werke erstellt wurden und ob sich die darin gemachten Aussagen mit Hilfe von (Original-)Quellen bestätigen bzw. überprüfen lassen.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, alle gewonnenen Fakten zur Firmengeschichte mit einer ausführlichen Quellenangabe sowie etwaigen ergänzenden Informationen zu versehen. Das ist im ersten Moment zwar aufwändiger, ermöglicht es aber, auch noch Jahre später die Qualität einer Information und den Kontext ihrer Entstehung beurteilen zu können. Sollte noch kein eigenes Firmenarchiv bestehen, ist spätestens in diesem Zusammenhang die Einrichtung eines solchen zur Bündelung der internen Überlieferungen angeraten.

Geschichtliche Aufarbeitung mit zeitlichem Vorlauf

Zugegeben, die Aufarbeitung der eigenen Unternehmensgeschichte erfordert oftmals einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand. Doch das Geld ist gut investiert: Einmal erarbeitet bilden die Rechercheergebnisse über viele Jahre hinweg die Basis für verschiedene Geschichtsmarketing-Projekte und sorgen so für eine sichere und verlässlichere Unternehmenskommunikation.

Mit den dazu notwendigen Recherchen sollte im Übrigen nicht erst im vermeintlichen Jubiläumsjahr begonnen werden. Denn fällt beispielsweise nur der einzige Mitarbeiter des örtlichen Stadtarchivs für mehrere Wochen oder gar Monate krankheitsbedingt aus, kann ein kurzfristiges Chronikprojekt schnell vor dem Aus stehen. Zudem besteht auch immer die Gefahr, dass das große Jubiläumsjahr tatsächlich schon einige Jahre zuvor hätte gefeiert werden müssen.

Und noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Bereits während der Grundlagen-Recherchen sollte man die Augen nach nützlichem Bildmaterial (bzw. Objekten für eine etwaige Ausstellung) offen halten. Das können beispielsweise alte Fotos und Postkarten, aussagekräftige Dokumente und Zeitungsausschnitte, alte Werbematerialien oder frühere Firmenerzeugnisse sein. Schließlich profitieren fast alle History-Marketing-Maßnahmen von der Kraft interessanter und aussagekräftiger Bilder.

Mehr zum Thema: “Geschichtsmarketing-Leitfaden” (Übersichtsseite)

(Ende) geschichtskombinat/11.04.2011/mar


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