Artikelserie: History Marketing (V)

Für welche Firmen eignet sich Geschichtsmarketing?


Die Nutzung der Unternehmensgeschichte als Baustein der Kommunikationsstrategie wird meist mit größeren Firmen und Konzernen in Verbindung gebracht – insbesondere, wenn diese zudem auf eine mehre Jahrzehnte lange Entwicklung zurückblicken können. Doch diese Annahme greift zu kurz: Auch kleine oder junge Firmen können das History Marketing erfolgreich für sich nutzen.

Aufgrund des oftmals notwendigen hohen Aufwandes zur Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte ist die Einschätzung weit verbreitet, dass sich das Geschichtsmarketing vor allem für größere Unternehmen eignet: Mit ihren entsprechenden finanziellen Ressourcen könnten diese ein gut gepflegtes Archiv, aufwändige Chroniken, Ausstellungen oder gar eigene Museen deutlich leichter finanzieren, heißt es dann. Auch wird argumentiert, dass das allgemeine öffentliche Interesse an der Geschichte in der Regel bei bekannten Konzernen deutlich ausgeprägter sei als bei kleineren, regional tätigen Firmen.

Geschichtsmarketing im kleinen Rahmen

Doch das stimmt nur bedingt. Auch kleinere Firmen können das History Marketing für sich nutzen. Hierbei wird lediglich der nötige Aufwand den jeweiligen Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten angepasst. So kann beispielsweise…

Regal einer Apotheke mit historischen BehältnissenHistorische Behältnisse im Regal einer Apotheke
  • eine Apotheke zu ihrem Jubiläum das Schaufenster oder einzelne Regale liebevoll mit alten Fotos, Medikamentenschachteln und Gebrauchsgegenständen aus dem Apothekenalltag dekorieren,
  • ein Hotel seine Gäste im Foyer mit einer Informationstafel zur Geschichte des Hotels bzw. der früheren Nutzung des Hauses begrüßen,
  • ein Restaurant oder Cafe in einer alten Papiermühle zusätzliche Kunden durch ein Museum zur Geschichte der Papierherstellung ködern,
  • der Bäcker im Jubiläumsjahr seinen Kunden verschiedene historische Brotsorten anbieten,
  • der örtliche Elektronikhändler in einer Ecke des Geschäftes eine Sammlung alter Radios, TV-Geräte oder Telefone platzieren,
  • der seit Generationen eingesessene Fleischermeister Fotos aus und von der Fleischerei sowie eventuell die Meisterbriefe von ihm, seinem Vater und auch vom Großvater ausstellen oder
  • ein Fotograf seine Kunden anlässlich eines Berufsjubiläums mit einem Kalender mit den besten und interessantesten Motiven seiner Laufbahn erfreuen.

Mit diesen und ähnlichen, eher wenig aufwendigen Möglichkeiten können gerade kleine Firmen ihren Kunden zeigen, wie lange es sie schon gibt und wie verwurzelt sie in der Region und im Leben der Kunden sind.

Merke: Entscheidend beim History Marketing sind oftmals nicht die finanziellen Mittel, sondern kreative Ideen und ihre mit spürbarer Begeisterung erfolgte Umsetzung.


Das Firmenalter ist nicht immer entscheidend

Russisch-Brot von Dr. Quendt: Tradition seit 1845 Darüber hinaus ist History Marketing nicht nur auf Unternehmen mit langer Tradition beschränkt. Auch junge Firmen können erfolgreich mit der Geschichte für sich werben – beispielsweise, indem sie auf regionale Vorläufer zurückgreifen oder allgemeine historische Ereignisse als Aufhänger nehmen. Ein schönes Beispiel hierfür bietet die Dresdner Firma “Dr. Quendt”. Obwohl erst 1991 entstanden, wirbt sie bei ihrem Russisch-Brot auf der Verpackung prominent mit dem Slogan “Das Original seit 1845″. Dabei beruft sie sich auf die “locker-leichten Buchstabenplätzchen”, die der Bäcker Ferdinand Wilhelm Hanke ab 1845 in seiner deutsch-russischen Bäckerei in Dresden angeboten hat. So bringt sich die noch recht junge Spezialitätenbäckerei gekonnt mit einem traditionsreichen Produkt in Verbindung und erweckt den Eindruck weit zurückreichender Wurzeln.

Darüber hinaus können junge Firmen beim History Marketing oftmals auch gut auf die Biografie ihrer Gründer aufbauen. Dabei werden unter anderem Ausbildung und frühere berufliche Stationen als Kompetenznachweis genutzt.

(Ende) geschichtskombinat.de/19.07.2012/mar


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