Artikelserie: History Marketing (II)

Checkliste: Anlässe für das Geschichtsmarketing


Der klassischer Anlass, um die eigene Vergangenheit zum werbetauglichen Thema zu machen, ist in den meisten Fällen immer noch das Firmenjubiläum. Vielfach wird es als größeres Ereignis in 25-Jahres-Schritten gefeiert und mit einer Chronik gewürdigt. Darüber hinaus gibt es aber noch eine Vielzahl weiterer Anlässe und Möglichkeiten für ein nachhaltiges Geschichtsmarketing.

Dazu zählen unter anderem:

  • “ungerade” Firmenjubiläen bzw. darauf bezogene Schnapszahlen (siehe z.B.: 111 Jahre Triumph-Adler);
  • Jahrestage von Tochterunternehmen bzw. früher übernommenen Firmen;
  • Geburts- bzw. Todestage von Unternehmensgründern und anderen passenden Persönlichkeiten (sowie auch Jubiläen von Werbefiguren);
  • “Geburtstage” wichtiger Produkte bzw. Marken (Erfindungsdatum, Termin der Marken- bzw. Patentanmeldung);
  • das Erreichen runder “Produktionsziffern” (siehe z.B.: n-tv feiert 20.000ste Sendung der “Telebörse”);
  • lokale Jubiläumsfeiern für einzelne Standorte bzw. Filialen;
  • Anlässe aus der Hausgeschichte bzw. auch der Geschichte des Straßenzugs/Stadtviertels bei direktem Bezug zur Immobilie, wie z.B. bei Hotels oder Restaurants (nach Kommentar von Hannes);
  • Jahrestage eines Börsengangs oder des Gewinns wichtiger Auszeichnungen;
  • externe Anlässe, wie ein Stadtjubiläum, 60 Jahre Bundesrepublik (z.B.: “60 Jahre BRD” der Süddeutschen Zeitung), 20 Jahre Deutsche Einheit, 66 Jahre Währungsunion, 175 Jahre Eisenbahn oder
  • auch Jubiläen/Jahrestage von Konkurrenten (speziell Branchenführern), die erwartungsgemäß auf Publikumsinteresse stoßen (sollten).

Davon abgesehen lässt sich auch ohne konkreten Anlass mit der Historischen Kommunikation beginnen. Das kann etwa durch die Aufnahme des Gründungsjahres in das Firmenlogo (z.B. “gegründet 1921″, “Kompetenz seit 1883″ oder “Seit 125 Jahren für Sie da”), einem Aushang zur Firmengeschichte im Foyer oder einer entsprechenden Präsentation auf den eigenen Internetseiten geschehen.

History Marketing immer “mit Maß”

Allgemein sollte die Werbung mit der Firmengeschichte nicht auf einige wenige Anlässe begrenzt, sondern als konstanter Teil der Unternehmenskommunikation gesehen werden – wobei natürlich besondere Anlässe wie das Gründungsjubiläum größere Aufmerksamkeit erfahren. Nichtsdestotrotz ist es ratsam, die Geschichte nicht zu inflationär in der Öffentlichkeitsarbeit zu gebrauchen. Schnell drohen zunehmende Langeweile beim Zielpublikum und das Abstempeln des Unternehmens als “rückwärts gewandt”.

Darüber hinaus gibt es in vielen Unternehmen auch historische Anlässe/Themen, die sich nicht für “lautes” Firmenmarketing eignen. Das betrifft beispielsweise Verstrickungen während der Zeit des Nationalsozialismus (Zwangsarbeiter, Arisierung), Unfälle in der Produktion, Korruptionsfälle/kriminelle Aktivitäten oder auch schwerwiegende Produktskandale. Solchen Ereignissen kommt eher die Funktion von “Gedenktagen” zu, aus deren Anlass ernsthaft an die Vergangenheit erinnert bzw. über deren Aufarbeitung berichtet werden sollte.

Gerne können Sie diesen Beitrag über die nachstehende Kommentarfunktion um Ihre Meinung ergänzen: Welche Ereignisse würden Sie beispielsweise für History-Marketing-Aktionen nutzen? Und welchen Anlässen würden Sie dabei die größte Priorität einräumen…?

Mehr zum Thema: “Geschichtsmarketing-Leitfaden” (Übersichtsseite)

(Ende) geschichtskombinat/11.10.2010/mar


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    2 Kommentare
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    1. Ok, hier eine Ergänzung meinerseits: Bei meinem früheren Arbeitgeber (mittelgroße Sparkasse) wurde für einzelne Filialen auch die jeweilige Hausgeschichte in einem zeiweiligen Aushang thematisiert (wann gebaut, welche Vornutzer, ab wann Sparkasse, welche baulichen Änderungen wie Tresoreinbau, Umbauten der Schalterzone…)

      Zugegeben, ist nicht der große Anlass, kam aber gerade bei den älteren Kunden gut an, so zumindest mein Eindruck. Vor allem hinsichtlich der alten Fotos…

    2. Danke für Deinen Hinweis, Hannes. Ergänze ich gleich noch in der Auflistung…

      Die Hausgeschichte ist imho v.a. dann interessant, wenn eine direkte Beziehung zwischen der Vergangenheit des Hauses/Firmensitzes und dem jeweiligen Unternehmen hergestellt werden kann. Gerade bei Hotels oder (gehobeneren) Restaurants fällt mir das auch immer öfter auf.

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